Datendiebstahl über die Autoreifen: Das neue Druck-Kontrollsystem birgt Risiken

Ab November 2014 müssen alle Autos mit Erstzulassung über ein sogenanntes Reifendruck-Kontrollsystem verfügen. Es soll für mehr Sicherheit sorgen, indem es Fahrer vor einem drohenden „Plattfuß“ warnt. Doch es macht das Auto anfällig gegen drahtlose Angriffe von außen.

Datenhacker – der Reifen ist das Einfallstor

Ein Reifendruck-Kontrollsystem besteht aus einem Sensor, einem Sender und einer Antenne. Der Sensor sitzt im Reifen und misst den Druck und die Temperatur und überträgt die Daten drahtlos an das ECU (Electronic Control Unit) des Fahrzeugs – den „Bordcomputer“. Doch das System hat seine Sicherheitslücken. Da die Daten ohne Verschlüsselung oder Signierung übertragen werden, können Externe diese Werte mitlesen oder sogar manipulieren – sprich: sich in die Kommunikation einklinken.

Das Prekäre: Jeder Sensor sendet eine 32 Bit lange Kennung an das ECU. Sie ist wie ein Fingerabdruck für das Fahrzeug. Mit ihr lassen sich die Temperatur- und Druckwerte einem speziellen Auto zuordnen. Wer sie mitliest und systematisch analysiert, kann damit entweder generelle Verkehrsüberwachungen durchführen oder gezielt Fahrprofile einzelner Autos erstellen.

Hacker können ins System des Bordcomputers eindringen und Störungen vortäuschen.

Auch eine Manipulation der Daten ist möglich. Der Bordcomputer hat keine Möglichkeit, zu überprüfen, ob Werte, die er erhält, von einem echten Sensor kommen oder von einer Imitation. Computerversierte Kriminelle könnten auf diese Weise Fahrzeuge zum Stehenbleiben zwingen, indem sie dem Bordcomputer einen platten Reifen vortäuschen. Der Fahrer wird der modernen Technik trauen und aufgrund der inszenierten Panne stehen bleiben. Nun können die Kriminellen zuschlagen.

Zwei Systeme

Betroffen von diesem Einfallstor für Hacker sind aber nur die direkten Reifendruck-Messsysteme, da sie Daten per Funk übertragen. Es gibt auch indirekte Reifendruck-Kontrollsysteme, welche die Drehzahl der Reifen über das ABS messen und aus den Differenzen Rückschlüsse auf den Druck schließen. Dreht sich ein Reifen schneller oder langsamer als ein anderer, ist das ein Zeichen für zu viel oder zu wenig Druck.

Fahrzeughalter mit einem indirekten Reifendruck-Kontrollsystem brauchen keine Hackerangriffe fürchten, da hier keine Daten per Funk übertragen werden – es also keine Schnittstelle zum Eindringen in die Kommunikation gibt. Das indirekte System hat zum Nachteil, dass es keine genauen Werte anzeigt, weil es keinen Sensor gibt, der konkrete Druck- und Temperaturwerte misst.

Marke

Messsystem

VW

serienmäßig: indirekt optional: direkt

Renault

unterschiedlich - je nach Modell, häufig indirekt

Seat

indirekt

Audi

Vergangenheit: unterschiedlich je nach Modell
Aktuelle Fahrzeuge: fast ausschließlich indirekt

Skoda

indirekt

 

 

Fiat

unterschiedlich je nach Modell, häufig direkt

Toyota

direkt (Ausnahme Aygo)

Ford

unterschiedlich je nach Modell, häufig direkt

Opel

unterschiedlich je nach Modell, häufig direkt

BMW

unterschiedlich je nach Modell, häufig direkt

Mercedes

direkt

Preis

Einen Unterschied gibt es nicht nur in Sachen Sicherheit, sondern auch beim Preis. In Reifenwerkstätten wird es künftig teurer. Je nach verbautem System, hat der Reifenhandelsverband BRV (Bundesverband Reifenhandel) ausgerechnet, entstehen zusätzliche Werkstattzeiten von bis zu 30 Minuten pro Fahrzeug.

In der Werkstatt wird es durch den Einsatz der neuen Sensoren teurer.

Hinzu kommen in den meisten Fällen noch Kosten für die Luftdrucksensoren von 40 bis 150 Euro pro Stück. Da sie wasserfest verschweißt sind, ist es unmöglich, die Batterien auszutauschen, also muss alle fünf bis sieben Jahre ein neuer Satz Sensoren gekauft werden.

Dazu kommt, dass beim Reifenwechsel System und Bordcomputer miteinander abgeglichen werden müssen, der Reifenwechsel vor der eigenen Garage wird damit unmöglich. Und so wird man dann jedes Mal gleich mehrere Hundert Euro los.

Stand: 29.10.2014, 09.00 Uhr

Video

Quelle: WDR Mittwoch, 29. Oktober 2014 18.20 - 18.50 Uhr

http://www1.wdr.de/fernsehen/ratgeber/servicezeit/sendungen/reifendruck106.html

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